Unsere Partnerschule „La Semilla“ in Bariloche Argentinien

Escuela „La Semilla“, unsere Patenschule in Bariloche, Patagonien, Argentinien

Die Schule „La Semilla-SEWBA“ ist ein gemeinnütziger Verein in San Carlos de Bariloche, Patagonien, Argentinien und es gibt dort einen Kindergarten, eine Grundschule und eine Oberstufe.

Unsere Musiklehrerin Anne Martin hat einen Besuch in Argentinien gemacht und hat uns viele Bilder und Eindrücke mitgebracht.

Mein dritter Besuch bei unserer Partnerschule „La Semilla“ in Bariloche

Am ersten Sonntag unserer Osterferien war es wieder so weit: Ich wurde nach Zürich zum Flughafen gebracht, flog von dort nach Madrid und nach einem dreistündigen Aufenthalt weiter nach Buenos Aires. Dort kam ich morgens an, organisierte mir ein Uber und legte damit die anderthalbstündige Fahrt – 38 Kilometer durch verstopfte Straßen – zurück zum nationalen Flughafen. Dort traf ich meinen Sohn, mit dem ich gemeinsam weiter nach Bariloche flog.

Ich war aufgeregt, aber auch müde und noch erschöpft von der letzten Chorprobenwoche. So freute ich mich zwar sehr auf die Begegnungen mit meiner Enkelin, ihrer Familie und den Lehrer:innen unserer Partnerschule, hatte aber auch etwas Sorge, wie ich alles schaffen würde – nicht zuletzt wegen der sprachlichen Barriere.

Und dann standen sie am Flughafen und erwarteten uns: meine Enkelin, ihre Mutter und meine „Mit-Oma“. Nach der herzlichen Begrüßung war meine Sorge sofort verflogen, und es fühlte sich an, als hätten wir uns nicht zwei Jahre, sondern nur zwei Tage nicht gesehen.

Es war wunderbar zu erleben, wie vertraut mir sowohl die Menschen als auch die Orte, die Landschaft und sogar die grauenhaften, von Schlaglöchern übersäten Schotterpisten geworden sind, die das Viertel prägen, in dem meine Familie lebt und denen man häufig begegnet, sobald man das Stadtgebiet verlässt.

Zwei Tage nach meiner Ankunft holte ich meine Enkelin vom Kindergarten ab und betrat damit wieder das Gelände unserer Partnerschule. Neugierig schaute ich mich um und fragte mich, was sich seit meinem letzten Besuch verändert hatte. Plötzlich hörte ich ein freudiges „Hola, hola Anne!“ – und vor mir stand eine Lehrerin, mit der ich schon bei meinen beiden vorherigen Besuchen herzliche Begegnungen erlebt hatte, obwohl wir uns sprachlich kaum austauschen konnten. Auch diesmal war die Sprache kein Hindernis. Sie redete begeistert auf Spanisch auf mich ein, und durch ihre gestenreiche Art konnte ich erstaunlich viel verstehen. Wieder dieses Gefühl von Vertrautheit.

An diesem Mittag begegnete ich noch einigen anderen Lehrer:innen, die mich alle herzlich begrüßten und mit denen ich wenigstens kurz auf Englisch sprechen konnte. In jedem dieser Gespräche brachten die Kolleg:innen ihre Dankbarkeit und Freude über meinen Besuch und natürlich auch über die große finanzielle Unterstützung unserer Schule zum Ausdruck.

Dann traf ich Anselm, dem ich die Briefe unserer Klassen übergab, die die Schüler:innen im Englischunterricht bei Frau Grisard an die entsprechenden Klassen unserer Partnerschule geschrieben hatten. Dieser Briefaustausch geht nun schon seit einiger Zeit zwischen Wahlwies und Bariloche hin und her.

Für diejenigen Leser:innen, die ihn nicht kennen: Anselm ist ein junger deutscher Erzieher aus Dresden, der seit sieben Jahren Kindergarten und Schule in Bariloche mitgestaltet und inzwischen hauptsächlich als Handarbeitslehrer arbeitet. Mit ihm führe ich immer wieder lange Telefongespräche darüber, wie wir an unseren Schulen mit bestimmten Problemen oder Fragestellungen umgehen. Meist stellen wir fest, dass unsere Schulen vor ähnlichen Herausforderungen stehen – allerdings mit dem großen Unterschied, dass unsere Schule keine existenziellen finanziellen Sorgen hat und wir von unserem Gehalt leben können, während die meisten Lehrer:innen in Bariloche noch einen zusätzlichen Job und oft auch Abendkurse übernehmen müssen, um die hohen Mieten und Lebenshaltungskosten bezahlen zu können. Daraus ergibt sich natürlich das Problem, dass viele Kolleg:innen neben ihrem Unterricht kaum noch zusätzliche Zeit und Kraft für die Schule aufbringen können.

Mit Anselm betrat ich das neu gebaute Klassenzimmer der ersten Klasse – ein schöner, heller Raum mit Holzbänken und Sitzkissen für etwa 20 Kinder. Damit verfügen nun die ersten beiden Klassen über neue, liebevoll gestaltete Räume. Anselm hatte bei einer deutschen Kunsthandlung zahlreiche Kunstdrucke bestellt, die ich ihm in meinem großen Koffer mitgebracht hatte und mit denen er nun die Klassenzimmer „schmücken“ möchte.

Auch das Pausengelände der Unter- und Mittelstufe war neu gestaltet worden. Die Hauptattraktion dort war eine Schaukel, die durch einen Teil des WOW-Day-Geldes unserer Schüler:innen ermöglicht worden war. Da die Schaukel noch ganz neu war, bildeten sich oft lange Warteschlangen, und manchmal musste sogar ein Lehrer eingreifen, wenn ein Kind zu lange schaukelte.

Am Ostersonntag hatte die Familie meiner Enkelin sowohl Anselm als auch eine der Englischlehrerinnen der Schule mit ihrer Familie eingeladen. Dadurch ergaben sich viele Gespräche über unsere Schulen. Anselm hatte regelrecht den Auftrag bekommen, mir einige gezielte Fragen zu stellen. Eine davon war, ob es für uns in Ordnung wäre, wenn ein größerer Teil der WOW-Day-Spenden dafür verwendet würde, einen Sozialfonds für die Lehrer:innen aufzubauen. Das wird immer wichtiger, weil die Lehrer:innen – wie schon oft erwähnt – von ihrem Gehalt allein nicht leben können und immer wieder in finanzielle Not geraten, wenn ein zusätzlicher Job wegfällt oder nicht ausreichend Einkommen bringt.

Natürlich habe ich zugestimmt, denn letztlich kommt es auch den Schüler:innen zugute, wenn ihre Lehrer:innen nicht ständig von finanziellen Sorgen belastet und erschöpft sind.

Da ich wegen der Feiertage und meiner Abreise am Donnerstagnachmittag nicht an einer regulären Konferenz teilnehmen konnte, organisierte Anselm für den Mittwoch nach Ostern eine Mittagsrunde mit den Lehrer:innen, die Zeit hatten.

Zuvor traf ich mich noch mit Matias, dem Musiklehrer, zu dem sich über die Jahre eine sehr freundschaftliche Beziehung entwickelt hat. Er ist ausgebildeter Waldorf-Musiklehrer und arbeitet sowohl mit den unteren als auch mit den oberen Klassen auf eine sehr lebendige und schöne Weise. An diesem Vormittag begleitete ich ihn in die 4. und die 2. Klasse.

Ich bin immer wieder überrascht, wie offen und neugierig die Schüler:innen unserer Partnerschule sind. Besonders die Viertklässler wollten genau wissen, wer ich bin und warum ich dort bin. Als klar wurde, dass ich von ihrer Partnerschule in Deutschland kam, nickten viele wissend. Sie sangen ein wunderschönes Lied und freuten sich sehr über meine Begeisterung und darüber, dass ich Matias bat, mir das Lied zu schicken. Im Gegenzug versprach ich ihnen, dass sie ein Lied unserer 4. Klasse bekommen würden. Außerdem brachte ich Matias einige Chorstücke für die Oberstufe mit, über die er sich sehr freute.

Matias hat es momentan schwer, genügend Geld für seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Neben dem Unterricht an der Schule gibt er abends Kurse, leitet Ensembles und übernimmt weitere musikalische Arbeiten. Dieses „Tanzen auf vielen Hochzeiten“ ist sehr anstrengend und ermüdend.

Da kam meine Idee, ihn zu unserer jährlich im Januar stattfindenden Musiklehrertagung einzuladen, gerade recht. Natürlich muss ich es schaffen, die Kosten für Flug, Tagung und alles Weitere aufzubringen, aber ich bin zuversichtlich, dass das mit Unterstützung verschiedener Seiten gelingen kann. Matias willigte sofort begeistert ein, möchte aber erst zur Tagung im Januar 2028 kommen, um vorher noch etwas Deutsch zu lernen. Er wird dort einen Percussion-Kurs anbieten – ein Bereich, in dem er wirklich hervorragend ist. Da in Bariloche im Januar Sommerferien sind, hoffe ich außerdem, dass Matias nach der Tagung noch mit nach Wahlwies kommen, unsere Schule kennenlernen und mit unseren Schüler:innen rhythmisch arbeiten wird.

Bevor wir zur 2. Klasse gingen, schaute ich noch kurz in die 7. Klasse hinein und wurde sofort von den Schüler:innen begrüßt. Sie riefen mir zu, dass sie gerade dabei seien, Briefe an unsere Schüler:innen zu schreiben. Diese Briefe habe ich dann auch wieder mit nach Wahlwies gebracht.

Zur Mittagsrunde kamen neben den Lehrer:innen auch zwei Schüler:innen aus der 12. Klasse. Sie bedankten sich bei mir für die Unterstützung unserer Schule und überreichten mir kleine Aquarellbilder, die von Schüler:innen verschiedener Oberstufenklassen gemalt worden waren. Das war sehr berührend. Wir unterhielten uns noch über Klassenspiele, Klassenfahrten und die erste Zeit nach der Schule, bis die beiden wieder in ihren Unterricht mussten.

Die Hauptfrage der Lehrer:innen an mich war, welche Fächer bei uns in der Klassenlehrerzeit vom Klassenlehrer selbst unterrichtet werden und für welche bereits Fachlehrer nötig sind. In Bariloche war man bisher eher großzügig und hatte schon in den unteren Klassen viele Fachlehrer eingesetzt. Nun wird überprüft, ob das wirklich immer notwendig ist. Allerdings erhalten Klassenlehrer:innen bei uns auch eine umfangreichere Ausbildung als in Argentinien.

Dort wie hier steht die gleiche Frage im Raum: Wie und wo können wir sparen?

Eine weitere wichtige Frage war, welche Möglichkeiten wir haben, Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf zu begleiten. Themen wie Schulärzt:innen, Therapiemöglichkeiten oder Assistenzkräfte kamen zur Sprache. Ich konnte nur ehrlich sagen, dass auch wir dabei immer wieder an Grenzen stoßen. Interessant fanden die Kolleg:innen meine Berichte über die Aufgaben unserer Schulsozialarbeiterin und wie dankbar wir für ihre Arbeit sind.

Besonders gefreut haben sich die Lehrer:innen, als ich erzählte, wie begeistert unsere Unterstufenklassen gewesen waren, als ich ihnen Fotos vom Michaeli-Fest unserer Partnerschule gezeigt hatte. „So spannend wünschen sich unsere Schüler das auch!“, wurde mehrfach gesagt.

Am Ende wurde mir noch eine wunderschöne Stickerei überreicht, die eine Lehrerin für uns angefertigt hat – sogar mit unserem Schul-Logo in der Mitte! Dafür müssen wir noch einen schönen Platz in der Schule finden.

Ich werde immer wieder erstaunt angeschaut, wenn ich sage, dass 11Tage in Bariloche genug sind für eine so weite Reise. Ich habe in diesen Tagen so viele wunderschöne Erlebnisse gehabt: ich habe viel Zeit mit meiner Enkelin und ihrer Familie verbracht, wir haben herrliche Ausflüge zusammen gemacht und ich hatte die schönen Begegnungen und Gespräche mit den Lehrer:innen unserer Partnerschule. Dankbar und glücklich bin ich abgereist.

Die Beziehung zu einer Partnerschule lebendig zu halten und nicht nur über Spendengelder zu definieren, gelingt nur, wenn es Menschen gibt, die den direkten Austausch suchen. Herzlichen Dank, liebe Nadja Grisard, dass du das mit einigen Klassen so wunderbar umsetzt.

Aber auch meinen anderen Kolleginnen und Kollegen möchte ich herzlich danken, die Jahr für Jahr mit großem Engagement dazu beitragen, den WOW-Day gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern zu gestalten. Ebenso gilt mein Dank unserem Vorstand, der die beeindruckende Spendensumme der Schüler:innen von über 6000 Euro nochmals großzügig um weitere 2000 Euro ergänzt hat.

Nicht zuletzt gilt ein großer Dank natürlich unseren Schülerinnen und Schülern, die sich tolle Projekte überlegen, mit denen sie einzeln, in kleinen Gruppen oder als ganze Klasse Geld für unsere Partnerschule sammeln.

Anne Martin

Mein erster Besuch bei unserer Partnerschule „La Semilla“ in Bariloche

Pünktlich um 6:45 Uhr, argentinischer Ortszeit, landete mein Flugzeug in Buenos Aires. Dort erwarteten mich Verena und Emilia. (Familie Damerau mit ihren drei Kindern war fast drei Jahre an unserer Schule und ist im August nach Buenos Aires zurückgekehrt.) Wie schön, in der Fremde von Freunden empfangen zu werden! Da es Sonntagmorgen war und die Straßen frei, fuhren wir mit dem Auto durch die Innenstadt und ich konnte einen kleinen Eindruck von Buenos Aires bekommen. Die nächsten anderthalb Tage verbrachte ich mit schönen Erlebnissen, neuen Erfahrungen und guten Gesprächen bei Familie Damerau.

Am nächsten Abend stieg ich wieder in ein Flugzeug, das mich nach zwei Stunden Flugzeit nach Bariloche brachte. Die ersten fünf Tage dort verbrachte ich mit meinem Sohn, meiner Enkelin und ihrer Familie. Die folgenden Fotos geben einen kleinen Eindruck der wunderbaren Landschaft und Natur dieser Gegend Patagoniens, wie ich sie erleben konnte, wieder.

Bariloche liegt fast 1000m hoch in einem Tal der südlichen Anden, direkt an einem großen See.

Nachdem ich schon viele Gespräche mit der Oma meiner Enkelin mütterlicherseits, die „La Semilla“ mitgegründet hat, und Anselm Förster über unsere Schulen geführt hatte, traf ich mich mit Anselm an einem Nachmittag an der Schule, um in Ruhe das Gelände, die Gebäude und die Klassenzimmer anzuschauen. Ich hatte ja schon viele Fotos gesehen, aber direkt vor Ort zu sein ist dann doch etwas ganz Anderes. Ich war unheimlich begeistert von der Größe des Geländes und den Möglichkeiten, die die Kinder dort zum Spielen haben. Es gibt viel Wald, Bäume zum Klettern, zwei eingezäunte Teiche und große Rasenflächen, auf denen auch der Sportunterricht stattfindet. Außerdem gehört auch der Schulgarten mit einem Gewächshaus dazu. Imposante Felsen ragen an einer Stelle zum Schulgebäude auf. Diese Felsen sollen demnächst geprüft werden, ob sie sich zum Klettern eignen.

Nach dem Rundgang durchs Schulgelände starteten wir die Besichtigung des Schulhauses, das ursprünglich einfach das Haus einer großen Familie war.

In diesem Schulhaus sind die Klassen 2-7 und die Klasse 10/11, das Sekretariat, ein kleiner Raum für Elterngespräche, drei Badezimmer (jeweils nur eine Toilette) und das Lehrerzimmer untergebracht. Alle Klassenräume sind sehr liebevoll eingerichtet und spätestens in diesen Räumen erkennt man sofort, dass man sich in einer Waldorfschule befindet. Schöne Tafelbilder, liebevoll gestaltete Jahreszeitentische, die Aquarellbilder an den Wänden u.v.m. Von vielen Klassenzimmern aus hat man einen traumhaften Blick in die Anden.

In die 1. Klasse, die – ebenso wie die 9. Klasse – in einem Anbau untergebracht ist, gehen 20 Kinder. Es ist die größte Klasse der gesamten Schule. Von Klasse 2 – 12 schwankt die Anzahl   zwischen 10 – 18 Schülern, wobei die Klassenstärke in der Oberstufe deutlich abnimmt. Insgesamt besuchen 150 Schüler die Schule.

Die Abschlussklasse hat das Privileg, in dem neuen Rundbau, den unsere Schule größtenteils finanziert hat, unterrichtet zu werden. Hier finden aber auch die Konferenzen und andere Veranstaltungen außerhalb der Schulzeit statt. Die 12. Klasse probt gerade ihr Theaterstück, das Ende des Monats aufgeführt wird. Der letzte Höhepunkt und damit Abschluss ihrer Schulzeit. Alle Schüler*innen verlassen in Argentinien nach der 12.Klasse die Schule und benötigen keine besonderen Abschlussprüfungen, um anschließend eine Ausbildung zu machen oder zu studieren.

Am nächsten Morgen traf ich mich nach der großen Pause mit Anselm, um mich in jeder Klasse einmal kurz vorzustellen. Das war sehr nett! Manche Schüler:innen wollten auch wissen, wie unsere Schule heißt, wie alt ich bin und ob unser Unterricht auch so aufgebaut ist wie ihrer: erst der Hauptunterricht, dann der Fachunterricht. In der 5. Klasse gab es ein Geburtstagskind und ich bat die Schüler, mir ihr Geburtstagslied vorzusingen. Ein sehr schönes Lied, das ich von der Familie meiner Enkelin schon kannte. Anschließend sangen Anselm und ich der 5.Klasse unser Geburtstagslied, „was Gutes dir…“ vor. In der 8.  Klasse kamen wir zufällig in den Musikunterricht und durften den Trommelübungen zuhören. Ich war sehr beeindruckt, wie gut die Schüler:innen verschiedene Rhythmen beherrschten.

Von allen Lehrer:innen wurde ich sehr herzlich und – wie es in Argentinien üblich ist – mit einem Wangenkuss begrüßt. An diesen schnell hingehauchten Kuss bei wirklich jeder Begegnung gewöhnte ich mich schnell. Im winzigen Lehrerzimmer – das auch Durchgangszimmer für Oberstufenschüler:innen ist, die in ihr Klassenzimmer müssen – hatte ich das Problem zu unterscheiden, wer Lehrer:in und wer Schüler:in ist. Das klärte sich dann durch den Wangenkuss, mit dem ich nur von den Lehrer:innen begrüßt wurde.

Zwei Tage später konnte ich noch bei dem Musiklehrer der Mittel-und Oberstufe hospitieren. Der Musikunterricht findet in den Klassenräumen der jeweiligen Klasse statt. Dafür müssen die Percussion Instrumente, das Keyboard und die Gitarren herumgeschleppt und alles immer wieder neu aufgebaut werden. Das benötigt viel Zeit! Was ich dann hörte und wie der Umgangston und die lockere Atmosphäre im Unterricht waren, hat mich sehr angesprochen. Von einem argentinischen Volkslied, das 9.–11. Klasse zusammen sangen, war ich so begeistert, dass ich den Musiklehrer bat, mir die Noten zu senden, damit ich es mit unseren Klassen auch singen kann. Ich warte noch…

 Und dann wurde ich natürlich auch in die Konferenz eingeladen und konnte die große Spende unserer Schule mit einem Foto des Kollegiums überreichen. Dankbare, erleichterte Gesichter und viele „Gracias“- Ausrufe erfüllten den Raum und ich konnte spüren, wie wichtig unsere Unterstützung für diese Schule ist! Auch wenn das Außengelände fantastisch ist, das Schulhaus wirklich schön wirkt und ich überall erleben konnte, wie gut das vorwiegend junge Kollegium mit den Widrigkeiten des Platzmangels umgeht, haben doch die meisten Lehrer:innen ein großes Problem: sie verdienen nicht genug und müssen zum Teil noch einen zweiten Job annehmen. Außerdem stehen größere Reparaturarbeiten an, Gebäudeerweiterungen u.v.m. Ich hatte letztes Jahr in den Einblicken geschrieben, dass das Grundstück von einem Mann gekauft wurde, der der Waldorfschule sehr zugetan ist und auch viele Instandsetzungsarbeiten durchführen lässt und diese auch finanziell trägt. Das ist schon großartig, und trotzdem ist nicht genug Geld da, um den Lehrer:innen ein angemessenes Gehalt zahlen zu können. Die extrem hohe Inflation in Argentinien trägt natürlich auch zu diesem Missstand bei.

Zurück zur Konferenz! Über eine Stunde wurden mir Fragen gestellt über die Strukturen an unserer Schule, die Organisation der Selbstverwaltung, den Prozess der Aufnahme von Schüler:innen in die 1. Klasse, wie wir mit Inklusion umgehen …! Es hätte noch viele weitere Fragen gegeben, aber die für mich eingeplante Zeit war schon deutlich überschritten. Zum Dank für meinen Besuch und meine Bemühungen für ihre Schule, wurde mir ein wunderschöner, warmer Woll-Poncho überreicht. Außerdem werde ich noch kleine Videos aus den Unterrichten bekommen, die ich unseren Schüler:innen zeigen werde, um ihnen unsere „Partnerschule“ näher zu bringen. So hoffe ich sehr, dass ich – mithilfe meiner Kolleg:innen – unsere Schüler:innen motivieren kann, den WOW-Day an unserer Schule wieder aufzugreifen und mitzuhelfen, „La Semilla“ (bedeutet: der Samen) weiter gedeihen zu lassen.