Von der Ackerbauepoche der 3. Klasse

Um das neunte Lebensjahr herum findet bei den Kindern ein großer Umbruch in ihrer Entwicklung statt. Waren sie bis jetzt noch seelisch eingebettet in das Gefühl, eins mit der Welt zu sein und in paradiesischer Weise genährt, umsorgt und geleitet zu werden, ohne etwas dafür tun zu müssen, so ändert sich dies nun.
Der Lehrplan der Waldorfschule greift diesen Entwicklungsschritt der Kinder auf, indem er sie durch entsprechende Epochen, Tätigkeiten und Geschichten auf ihrem Weg in die Welt hinein begleitet. Das Ergreifen der Erde in all seiner Vielfalt, vom Bearbeiten des Bodens über den Bau von Behausungen bis hin zur Herstellung von Gebrauchsgegenständen, Werkzeugen und vielem anderen mehr, was zum Leben und zur Arbeitserleichterung dient, steht jetzt im Vordergrund allen Tuns. Und die Kinder erleben dabei wieder einen neuen Zusammenhang zwischen sich selbst und der Welt, zwischen sich und den anderen Menschen, zwischen Himmel und Erde. Durch ihre eigenen Schöpferkräfte, die sie ab jetzt immer bewusster wahrzunehmen, zu schulen und einzusetzen imstande sein werden, spüren sie, dass sie doch nicht so „gottverlassen“ sind, wie sie es zeitweilig empfunden hatten. Nachdem die Kinder zu Beginn der 3. Klasse von der Erschaffung der Welt, von Adam und Eva und von ihrer Vertreibung aus dem Paradies gehört haben, schloss sich folgerichtig die Ackerbauepoche an. Und nachdem die Kinder zunächst einiges theoretisch durch Erzählungen und Darstellungen erfuhren, drängte es sie alle hinaus auf den Acker, um selber tätig zu werden.