Geschichte

Die Freie Waldorfschule Wahlwies entstand aus der Heimschule des Pestalozzi-Kinderdorfes in Wahlwies. Das Pestalozzi-Kinderdorf war schon kurz nach dem 2. Weltkrieg gegründet worden auf Initiative des deutschen Arztes Graf Adalbert von Keyserlingk und des Schweizer Musikhistorikers Erich Fischer.

Freie Waldorfschule Wahlwies InnenhofDas Kinderdorf sollte ein schützendes Dach bieten für Kriegswaisen und Flüchtlingskinder. Von Anfang an war angedacht, auch eine Schule ins Leben zu rufen, die nach den anthroposophischen Erziehungsgrundsätzen Rudolf Steiners ausgerichtet sein sollte. An der Schulgründung beteiligt waren von Anfang an Lehrer, die aus der anfänglichen Heimschule des Pestalozzidorfes eine Waldorfschule entwickeln wollten. 1975/76 wurden die bestehenden Doppelklassen in Jahrgangsklassen aufgeteilt. Die große Nachfrage an Plätzen konnte so besser bewältigt werden. In den nachfolgenden Jahren wuchs die Schule aus dem Heimzusammenhang heraus und schloss sich dem Bund der Freien Waldorfschulen an. 1983 erfolgte die Gründung der „Kleinen Schule“, der heutigen Dr. Erich Fischer Schule. Als staatlich anerkannte Sonderschule mit Förderzweig konnte sie jetzt die Klassen 1 bis 9 aufnehmen. Mit dem Abschluss der zweiten Ausbauetappe im Jahre 1998 konnten die neuen Räumlichkeiten der heutigen Waldorfschule bezogen werden.

Die Anfänge

Beginn und Entwicklungsverlauf unserer Schule haben sich in vielerlei Hinsicht anders vollzogen als es sonst bei Gründungen von Waldorfschulen üblich ist. Die Entstehungsgeschichte der Freien Waldorfschule Wahlwies ist eng mit dem Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf Wahlwies verknüpft.

BarackeIm ersten Nachkriegsjahr trafen sich der Schweizer Musikhistoriker Dr. Erich Fischer und der schlesische Gutsbesitzer und Arzt Dr. Adalbert Graf von Keyserlingk; beide verband die Idee, ein Kinderdorf zu gründen, um verwaisten Kindern eine neue Heimat zu schaffen. Am Ortsrand von Wahlwies fanden sie ca. 12 leerstehende Baracken eines ehemaligen Arbeitslagers aus den dreißiger Jahren. Im Mai 1947 zog die erste Familie in eine renovierte Baracke ein. Schon bald entstand das Bedürfnis, für die Kinder des Kinderdorfes, die bis dahin in die Wahlwieser Volksschule gingen, eine eigene Schule einzurichten. Nach einigen Vorstufen begann am 1. Oktober 1952 die „Freie Schule im Pestalozzi Kinderdorf“ offiziell mit dem Unterricht in vier Doppelklassen. Schon bald wurde auch das 9. Schuljahr eingerichtet.

Von Anfang an gab es in dieser Schule auch Waldorflehrer, die sich mit der anthroposophischen Pädagogik und Menschenkunde Rudolf Steiners verbunden hatten und denen es ein Anliegen war, diese „Heimschule“ zu einer kleinen „Waldorfschule im Pestalozzi Kinderdorf“ zu entwickeln. So waren die ersten Lehrer dieser noch kleinen Schule das Ehepaar Otto und Marie Altemüller. Später kamen noch Frau Iderhof und Frau Weber hinzu. Neben der eigentlichen Schule gab es auch mehrere Versuche, eine eigene Berufsschulbildung einzurichten, was jedoch aus verschiedenen Gründen nicht gelang.

Die Gründung des Vereins

1975/76 entstand im Kollegium der Wunsch, die bestehenden Doppelklassen in reine Jahrgangsklassen aufzuteilen, um den vermehrt aufgetretenen externen Anfragen nach Aufnahme zu entsprechen. Am 10. April 1978 erfolgte die Aufnahme in den Bund der Freien Waldorfschulen. Mit der folgenden Vereinsgründung wurde dann die rechtliche Ablösung vom Pestalozzi Kinderdorf vollzogen.

Heute ist die Freie Waldorfschule Wahlwies eine voll ausgebaute einzügige Schule mit ca. 480 Schülern und 45 Lehrern . Neben der Schule gibt es einen eigenen Trägerverein, der einen Kindergarten betreibt.

Die heutige Schule wird erbaut

Ab 1982 erarbeitete ein Bauausschuss in Zusammenarbeit mit dem Architekten, Herrn Ebinger aus Frankfurt, einen Gesamtentwurf für eine vollausgebaute Waldorfschule Wahlwies sowie eine detaillierte Planung für den ersten Bauabschnitt. Dieser 1. Bauabschnitt sollte die Oberstufe aufnehmen, da diese in den eilig eingerichteten Oberstufenbaracken bislang sehr notdürftig untergebracht war und zudem fachspezifische Ansprüche an Unterrichtsräume hatte. Der erste Spatenstich erfolgte am 1. Oktober 1986 und 1987 wurde schon gleich die erste Abiturprüfung abgenommen. Zu Beginn des Schuljahres 1988/89 wurde dieser 1. Bauabschnitt bezogen.

Ein weiteres Wachstum der Schule und die internen Bedürfnisse der Kinderdorfkinder ließen schon bald einen eigenen Förderbereich neben der Schule im Normalbetrieb entstehen. In der Folge trat ein erneuter Schulraumbedarf auf. Dies führte dazu, dass im Schuljahr 1997/98 ein 2. Bauabschnitt unter Federführung des Architekten Burkhard, Hödingen, für die Klassen 1-8 mit Nebenräumen sowie Verwaltung fertiggestellt wurde.

Waldorfschule Wahlwies

Damit konnten wir dem Förderbereich die „alte“ Kinderdorfschule zurückgeben und haben in der kleinen, mittlerweile über 2000 Seelen zählenden Gemeinde Wahlwies ein ungewöhnliches Kapitel waldorfpädagogischer Nachkriegsgeschichte geschrieben. Zwar werden zur Zeit in den Normalklassen weniger als 10% der Kinderdorfkinder unterrichtet, aber trotz alledem erfüllt es uns immer wieder mit Freude und ist uns stets ein Anliegen geblieben, einigen jungen Menschen in ihrer besonderen Lebenssituation eine waldorfpädagogische Schulbildung zu ermöglichen, die unter anderen Umständen nicht möglich gewesen wäre.