Archiv der Kategorie: Veranstaltungen

40 Jahre Freie Waldorfschule Wahlwies

Vielen Dank an Cornelia Renner, Axel Schliwa,  Hans-Jürgen Chmielewski und Jürk Langer für die schönen Bilder

Unsere Festschrift zum Herunterladen

Link zu  Südkurier-Artikeln über das Jubiläum, über den Tangoabend mit dem Cuarteto Rotterdam und die Compagnie Pas De Deux

Programmflyer, die Angebote am Tag der offenen Tür sowie Links auf einen Südkurier-Artikel und einen Wochenblatt-Artikel im Vorfeld des Jubiläum-Wochenendes

 

 

Viel Lärm um Nichts – Spiel der 8. Klasse 2017

Viel Lärm um Nichts – Wieder eine Shakespeare-Komödie in Wahlwies

von Oliver Schneider

Bilder von Michael Dörfer (www.design.doerfer.info)

Dreißig Jugendliche spielen an einem badischen Frühlingsabend zwei Stunden Theater. Die verzwickte Liebesgeschichte spielt in einem spätmittelalterlichen Sizilien und ist von einem Engländer 1598 aufgeschrieben worden, der sie in einer französischen Novellensammlung gelesen hatte. Das klingt nach einer Reise durch Raum und Zeit. Gibt es kein Drama, das näher an den jungen Künstlern ist? Nicht unbedingt. Ist Shakespeares „Much Ado About Nothing“ ein Stoff, mit dem wir 2017 etwas anfangen können? Schon eher. Auf und vor der Bühne sieht man in starken Bildern (Höhepunkt ist vielleicht der Trauergesang mit Fackeln im fünften Akt) fantasievolle historisierende Kostüme, in denen ganz und gar verwandelte Vierzehnjährige stecken. Wie in jedem guten Klassenspiel verhelfen sie den Schülern, aus ihrem Alltag in eine andere Welt hinüberzuwechseln, die vielleicht gar nicht so anders ist – oder nur an der im Kostüm symbolisierten Oberfläche. Die langen Kleider und die reichlich aufgetragene Schminke erlauben den jungen Damen, für ein paar Stunden ebensolche zu sein – und die durch die ungewohnten Uniformen versteiften Bewegungsabläufe zwingen die jungen Herren zum Ausprobieren eines Stils, der sich auf ihre Sprach- und Geisteshaltung auszuwirken scheint, etwa wenn Milan Morlinghaus als Benedict so gravitätisch schreitet und so blasiert formuliert, dass man sich als Zuschauer nur vorstellen kann, ihn am Montag wieder in einem britischen upper class-Internat anzutreffen und nicht in einer freien Waldorfschule. Auf der Bühne geht es um das Selbstverständnis von Frauen und Männern – und um die Liebe. Die einen verlieben sich schneller, die anderen langsamer, am Ende kommt es zur allseits gewünschten Doppelhochzeit. Damit ist die Komödie schon fast erzählt. Aber Shakespeare wäre nicht Shakespeare, wenn es nicht Verwicklungen und Intrigen gäbe, die das emotional angegriffene Publikum durchaus auch zu Tränen rühren können. Das geht bis hin zum vorgetäuschten Tod der verliebten Hero, was Teil eines listigen Plans des weisen Mönchs ist (ja, richtig: hier klaut Shakespeare bei sich selbst und damit bei der bekanntesten Liebesgeschichte der Welt, „Romeo und Julia“). Und Shakespeare wäre nicht Shakespeare, wenn das Stück nicht über weite Strecken von den Dialogen zwischen Beatrice und Benedict getragen würde, die in ihrer ‚witness’ Formulierungen und Lebensweisheiten am laufenden Band produzieren, die zeitlos gültig sind – und witzig: „Ich liebe nichts so sehr auf der Welt wie euch, ist das nicht seltsam?“ Und Shakespeare wäre nicht Shakespeare, wenn der manchmal allzu hohe und pathetische Ton nicht zu gegebener Zeit durch die Narren gebrochen würde. Die Rolle der Narren nehmen in diesem Stück allerdings ausgerechnet die zwei Konstabler ein. Shakespeares Ironie besteht also gerade darin, dass genau die, die qua Amt für Recht und Ordnung sorgen sollen, die größte sprachliche und gedankliche Unordnung produzieren. Konstabler, Grafen, Prinzen, Diener und Kammerjungfern – das soll die Welt von Achtklässlern sein? Die Frage kann auch anders gestellt werden: Sind dies nicht Themen für alle Menschen – auch und gerade für Achtklässler?: Die Liebe und ihr plötzliches und unerwartetes Erscheinen; die Verletzlichkeit von Menschen, die Gefühle haben; die Konflikte, die in einem Menschen entstehen, wenn er sich zwischen der Loyalität zur geliebten Person und zu einem Freund entscheiden muss. Dass Hero nach der Beleidigung durch Claudio nur in Ohnmacht fallen kann, ist logisch. Dass Beatrice und Benedict ihre verbal harte Schale nur zur Schau stellen, um ihren weichen Kern zu schützen, wird schnell klar. Dass es Benedict fast zerreißt, wenn er seinen Freund Claudio auf Beatrices Wunsch hin zum Duell fordert, ist offensichtlich. Immer geht es auch darum, dass die Liebe etwas ist, das Öffentlichkeit nicht gut verträgt; es wird verleumdet und angeprangert, bis Hero stirbt. Das kann man durchaus auch in den heutigen Kontexten von unsocial media, von über Leichen gehendem Cybermobbing verstehen. Wer schon einmal die Erfahrung gemacht hat, dass unbedacht ein böser Kommentar über jemanden, zum Beispiel einen Verliebten, gepostet worden ist, kann das sicher nachvollziehen. Hier geht es am Ende trotz allem gerade noch mal gut. Sicher können nicht nur Achtklässler daraus etwas lernen.

Zudem die Links auf einen Südkurier-Artikel und die Südkurier-Bildergalerie